Februar 2018

Leider ist Google Earth nicht wirklich brauchbar, wenn es um Luftbilder geht. Einerseits werden die Fotos aus extremer Höhen aufgenommen und im letzten Update vom März 2017 hängt eine Wolke über der Finca Bayano. Wenn Du dir dein zukünftiges Grundstück bei Google Earth wolkenfrei ansehen willst, musst Du also bis Februar 2016 zurückgehen. Da das damals aufgenommene Foto möglicherweise auch schon ein halbes Jahr alt war, als es online gestellt wurde, schaut man sich eine fast drei Jahre alte Abbildung an, wenn es wolkenfrei sein soll. In den letzten beiden Jahren hat sich die Finca Bayano jedoch sehr gut entwickelt, weil es überdurchschnittlich lange regnete – 2018 könnte die Trockenzeit sogar ganz ausfallen. Aus diesem Grund sind aktuelle Luftaufnahmen sehr sinnvoll, denn so wird der Fortschritt der Bepflanzung sehr gut dokumentiert.

Im Zusammenhang mit der Eintragung der Grundstücke wurde im Dezember 2017 eine topographische Karte erstellt. Dazu wurden Luftaufnahmen gemacht, die mir der Vermesser freundlicherweise zur Verfügung stellte. Leider war es am Tag, als die Aufnahmen gemacht wurden, sehr wolkig und leider waren auch nur wenige Aufnahmen von guter Qualität. Zudem sind Weitwinkelaufnahmen nur eingeschränkt verwertbar. Dennoch vermitteln die sechs Luftaufnahmen, die ich in diesem Newsletter veröffentliche, sehr gut, wie sich die Finca Bayano entwickelt hat. Videoluftaufnahmen vom August 2016 gibt es in diesem Video vom NDR.

Der vorliegende Newsletter hat folgendes Konzept: Zuerst kommt eine Luftaufnahme, welcher drei Direktaufnahmen folgen. Ist die generelle Struktur der Finca aus der Luft besser zu erkennen, so zeigen Nahaufnahmen doch erst die “Feinheiten”. Die Direktaufnahmen sind auf der Luftaufnahme mit nummerierten Pfeilen gekennzeichnet. Im Gegensatz zu den Vermessern habe ich mir natürlich einen sonnigen Tag ausgesucht, um Bilder zu machen.

Mit Klick auf die Fotos erhältst Du eine größere Ansicht. 

 

Die erste Luftaufnahme zeigt den Haupteingang, mit Blickrichtung Norden. So, wie es bei unserem Nachbarn im Südwesten heute aussieht, sah es auf der Finca Bayano 2010 auch aus. Der Bauer, vom ich das Grundstück kaufte, konnte auf der damals eingezäunten Fläche von 30 Hektar 15 Kühe halten – also zwei Tiere pro Hektar. Die Finca nebenan ist zeitweise ohne Kühe, weil kaum noch etwas wächst. Und das wenige Grün, welches sich der Erde entlocken lässt, teilen sich die wenigen Kühe mit Millionen von Blattschneiderameisen…

 

Foto 1: Fahre ich mit Besuchern auf die Finca Bayano, mache ich sie auf die Finca unseres Nachbarn aufmerksam. “So wie hier”, sage ich immer, “sah es bei uns vor sieben Jahren auch aus”. Zumeist nehmen die Besucher diese Aussage nicht wahr, denn schließlich sind sie über tausende Kilometer angereist, um die Finca Bayano zu sehen. Daher mache ich nochmals beim Verlassen der Finca Bayano auf das Gelände unseres Nachbarn aufmerksam. Die Rinderzucht hat fast eine Wüste hinterlassen – es fehlt nur der Sand. Dann verstehen sie, was ich meine…

Foto 2: Das Grundstück A20 hat sich gut entwickelt. Es hat kaum Gefälle und ist daher weniger von Erosion betroffen. Mittlerweile gibt es fast keine Blattschneiderameisen mehr, weil in dem nun besseren Boden mehr Würmer gedeihen und die Ausdehnung der Ameisen verhindern. Die Vertrocknung der Erde auf Rinderfarmen hat dazu geführt, dass es vielerorts keine Würmer mehr gibt und die Ameisen damit keine natürlichen Feinde mehr haben. Nur Ameisen kommen mit trockenen Böden klar. Würmer müssen bei voranschreitender Vertrocknung tiefer in die Erde, bis sie auf Stein kommen.

Foto 3: Diese Palme trägt die ersten Kokosnüsse. Es wurden etwa 200 Kokospalmen gepflanzt, aber bei den anderen wird es noch eine Weile dauern, bis sie Früchte tragen. Weil sie von der Küste kommen, wo der Boden in der Nähe des Meeres einen gewissen Salzgehalt hat, salzen wir unsere Palmen einmal Jährlich. Kleine Palmen bekommen etwa 100 Gramm Salz, größere Baume erhalten ein Kilogramm. Kokosnüsse haben einen ähnlichen Vorteil wie Yuca: sie müssen nicht direkt geerntet werden, wenn sie reif sind. Eine Palme kann eine kleine Familie über das ganze Jahr versorgen.

Zweite Luftaufnahme: Die blaue Linie stellt den Verlauf des Bachs dar. In diesem Bereich liegen die besten Grundstücke der Finca Bayano. Einerseits versorgt der Bach die Grundstücke mit Wasser und andererseits tragen sowaohl die immer größer werdenden Bäume als auch die sonstige Vegetation immer mehr dazu bei, Wasser zu speichern. So sind neben unserer Hauptquelle mehrere kleine Quellen entstanden, welche diese Gegend mit Wasser versorgen. Die blaue Line stellt den Verlauf des Bachs dar, der hinter Bäumen und Büschen nicht zu erkennen ist. 

Laut Gesetz dürfen Bäume entlang von Flüssen und Bächen auf einer Entfernung von zehn Metern zum Wasser nicht gefällt werden. Würde dafür gesorgt, dass dieses Gesetz eingehalten wird, gäbe es wesentlich mehr Bäume in Panama. Theoretisch dürfen diese Gelände auch nicht eingezäunt werden, aber es ist erlaubt, sie umweltschonend zu nutzen. DasWasser des Bachs, mit einer Temperatur von etwa 28°C, ist hervorragend dafür geeignet, zu baden. Einfach reinsetzen und ein Glas Rotwein auf den nächsten Stein, der aus dem Wasser ragt. 

An Bananen kann die Qualität des Bodens sehr gut abgelesen werden. Ist die Erde gut, trägt die Pflanze nach einem Jahr Früchte und eine “gute Mutter” bekommt während der gleichen Zeit bis zu zehn Ableger. Ist der Boden nicht gut genug, bleibt die Pflanze so klein, wie sie gesetzt wurde. Mittlerweile wachsen mehr als 10.000 Bananenpflanzen auf der Finca Bayano, dennoch wird es zumindest noch ein Jahr dauern, bis nennenswerte Mengen dieser Früchte geerntet werden können. 

Auf etwa der Hälfte der Fläche der Finca Bayano wachsen ausschließlich falsche Sonnenblumen und Schilfgras, die ich beide nur zum Verbessern der Böden und zum Mulchen gepflanzt habe. Ich hoffe, den großflächigen Anbau mit weiteren 100.000 dieser Gewächse bis im September 2018 beenden zu können. Das Ziel ist, neben allen Nutzpflanzen, überMulchpflanzen zu verfügen, so dass jederzeit und ohne lange Transportwege organisch gedüngt werden kann. 

Dritte Luftaufnahme: Hatte ich schon oft mit dem Gedanken gespielt, eine Drohne zu kaufen, so erschien mir der Preis zu hoch. Ein brauchbares Instrument kostet in Panama etwa 2.000 Dollar. Diese Ausgabe ist für gelegentliche Luftaufnahmen natürlich nicht zu rechtfertigen. Geht es um Vermessungszwecke, sind weitere Geräte erforderlich, die eine Ausgabe im fünfstelligen Bereich notwendig machen würden. Da die Finca Bayano aber nur einmalig genau vermessen werden muss, überlassen wir diese Arbeit besser den Spezialisten.

Dieser Baum steht auf dem Grundstück A11. Er ist nicht besonders hoch, aber er hat’s in sich. Als Nichtfachmann kann ich nicht beurteilen, wie viele andere Spezies auf ihm wachsen. Ich würde einfach mal sagen: viele! Er wurde vom Vorbesitzer des Landes stehen gelassen, dass die Kühe Schatten hatten. Schaut man sich den Baum an, kann man sich vorstellen, welche Vegatation früher auf der Finca Bayano zu finden war. Wir werden zwar keinen Dschungel anpflanzen, aber wenn alle Brotbäume, Kokospalmen und Co. erst mal groß sind, wird es fast wie im Urwald aussehen.

Zwischen den Agrargrundstücken A15 und A11 befindet sich der Momentan einzige befahrbare Übergang. Sobald es Zeit und wirtschaftliche Mittel erlauben, entsteht auch hier ein Damm. Der Preis für den Bau beträgt etwa $10.000. Weitere befahrbare Dämme entstehen sowohl zwischen den Grundstücken A6 und A9 als auch zwischen B6 und B39. Auf der Finca Bayano können zehn Dämme gebaut werden, hinter welchen etwa 1.000 Kubikmeter Wasser gestaut werden können. In jedem Staubecken können 1.000 Fische leben.

Das Agrargrundstück A11 hat nicht nur den Vorteil, am Bach zu liegen. Es gibt mehrere zweitrangige Quellen, die dafür sorgen, dass das Grundstück selbst während der Trockenzeit relativ feucht ist. Es gehörte zu den ersten Grundstücken, die ich bepflanzte und ist daher weiter fortgeschritten. Hier wächst auch der größte Brotbaum, der nach sieben Jahren bereits eine Höhe von 15 Metern erreicht hat und sehr viele Früchte trägt. Das Grundstück ist fast 5.000 Quadratmeter groß und es wachsen etwa 1.000  Bananenpflanzen darauf.

Vierte Luftaufnahme: In den Augen einer Drohne sieht es so aus, als würde auf diesen Grundstücken nichts wachsen – zumindest aus der entsprechenden Höhe, ähnlich wie bei Google Earth. In Wirklichkeit wächst jedoch einiges. So bin ich auf die Idee gekommen, diesen Newsletter zu machen. Zugegeben, die Erde auf diesem Grundstück ist noch nicht soweit verbessert wie die der Grundstücke am Bach, aber sie hat sich während der letzten sieben Jahre enorm verbessert. Spätestens in zwei Jahren sollte die Erde auch hier sehr gut sein.

Hier haben wir zum Beispiel ein Ananasfeld mit mehreren hundert Pflanzen angelegt. Um sie besser mulchen zu können, stehen sie in einer Mindestentfernung von etwas mehr als einem Meter zueinander. Auf neueren Feldern haben die Pflanzen jedoch noch größere Abstände, um die Nachteile einer Monokultur auszuschließen. Klar, dass diese kleinen Gewächse aus einer Höhe von 50 Metern von einer Drohne nicht gesehen werden und auch die Yuca-Pflanzen sind noch viel zu klein.

Diese Palme war einer der ersten, die ich 2011 auf der Finca Bayano gepflanzt habe. Mittlerweile ist sie etwa sechs Meter hoch, aber auf der Luftaufnahme ist sie so gut wie nicht zu erkennen. Um den Baum herum wachsen Yuca. 

Während der ersten Jahre gab es in den trockenen Monaten von Anfang Januar bis Ende April auf der Finca Bayano das Problem, dass die Quelle fast versiegte. Das wenige Wasser, das es noch gab, kam aus diesem kleinen Sekundärwald. Er hat uns sozusagen während der ersten Jahre mit Wasser versorgt. Mittlerweile gibt es eine satte Vegetation oberhalb der Quelle, die aber noch weiter ausgebaut werden muss, um sicher zu stellen, dass wir unserer Quelle immer Trinkwasser entnehmen und später auch in unseren Bioläden verkaufen können.

Fünfte Luftaufnahme: Die Entfernung von der Stelle, an welcher der Bach im Süden auf die Finca Bayano kommt bis zum Wasserfall, beträgt 900 Meter. Wegen der Windungen, die der Bach macht, kommt eine Länge von 1.500 Metern zusammen. Der Bach fließt in einer Höhe von 470 Metern auf die Finca Bayano und verlässt sie in einer Höhe von 410 Metern. Das entspricht einer Höhendifferenz von 60 Metern oder einer Steigung von vier Prozent. Daher können insgesamt 20 Dämme auf der Finca Bayano gebaut werden, die jeweils eine Höhe von drei Metern haben.

Saril oder Roselle mit dem wissenschaftlichen Namen Hibiscus sabdariffa ist selbst in Panama nicht sehr bekannt. Um daraus Saft zu machen, werden die roten Blätter entnommen und gekocht. Diesbezüglich werde ich im März einen Newsletter veröffentlichen. Warum Roselle als Weihnachtsgeschmack angepriesen wird, ist mir rätselhaft, denn die Frucht reift erst Anfang Februar. Ganz ohne Zucker frieren wir etwa 200 Liter dieses Saftes ein und haben Vorrat für das ganze Jahr. Wahrscheinlich wird dieses Produkt ein Renner in unseren zukünftigen Bioläden.

Auf den Grundstücken A5, A29 und A30 haben wir 1.800 Ananas-Pflanzen gesetzt. Leider gibt es dort Probleme mit Opossums. Sie sind Allesfresser und ernähren sich sowohl von Insekten, kleinen Wirbeltieren und Aas als auch von pflanzlichem Material wie Früchten und Körnern. Mit Vorliebe fressen sie unsere Ananas. Wir beugen vor, indem wir Metallkörbe um halbwegs reife Früchte legen. Dazu werde ich bald ein Video veröffentlichen. Während die kleine Banane im Vordergrund noch eine Jahr braucht, um Früchte zu tragen, wird die Ananas etwa in zwei Monaten reif sein.

A27 ist eines der Grundstücke, die während vergangener Jahrzehnte am meisten gelitten haben. Es ist überdurchschnittlich steil, so dass die Erosion dem Land sehr zusetzte. An verschiedenen Stellen musste ich mit dem Bagger Erde hinzufügen. Die beiden letzten Jahre haben wir sehr viel auf diesem Grundstück getan, aber es wird wahrscheinlich noch zwei Jahre dauern, bis hier Bananen gepflanzt werden können. Bis dahin werden auch hier vermehrt falsche Sonnenblumen und Schilfgras gepflanzt. 

Sechste Luftaufnahme: Da die Erde im Norden der Finca Bayano nicht so gut ist wie im südlichen Bereich, habe ich bei meiner Planung 2010 festgelegt, dass dort unsere Häuser gebaut werden. Weil es jedoch einige zukünftige Bewohner gibt, die nur ein Baugrundstück gekauft haben, arbeite ich auch dort an der Verbesserung der Erde. Schließlich reicht ein Grundstück von 1.000 Quadratmetern aus, eine Familie vegetarisch zu ernähren. Aber natürlich nur, wenn der Boden dazu geeignet ist. 

Der Wasserfall ist etwas ganz Besonderes und verdient zu einem späteren Zeitpunkt einen eigenen Newsletter. Fallen geringe Niederschläge – und vor allem während der Trockenzeit – ist der Wasserfall so zahm wie auf diesem Foto. Fallen große Mengen an Regen, wird er zum Monster. Eine Unterhaltung in der Nähe wird dann zum Geschrei. Bei der Aufteilung des Dorfes müssen 7,5% der Gesamtfläche der Finca Bayano als Grünfläche deklariert werden. Das Gelände um den Wasserfall wird dabei im Mittelpunkt stehen.

Diese Aufnahme entstand in unserem Urwald, westlich der Grundstücke B8, B9 und B10. Er ist neben dem Wasserfall die größte Attraktion und stellt mit einer Größe von etwa einem Hektar den größten Anteil der Grünzone auf der Finca Bayano dar. Flora und Fauna wurden wegen der großen Steigung des Geländes vom Vorbesitzer nicht zerstört, denn für seine Kühe war es hier einfach zu steil. Wenn wir später einmal “nichts mehr zu tun haben”, werden wir eine Treppe anlegen, die bis zum tiefsten Punkt des Wasserfalls führt. 

Auf diesem Foto sind die Grundstücke B8, B9 und B10 zu sehen. Hier wachsen ganz besonders viele falsche Sonnenblumen und Schilfgras. Die zukünftigen Bewohner dieser Grundstücke haben es nicht weit zum “Naherholungsgebiet Urwald” und zum Wasserfall, sie wurden von mir aber auch darüber aufgeklärt, dass es um den Wasserfall recht laut werden kann.

Wie ich zu Beginn dieses Newsletters erwähnte, erkläre ich meinen Besuchern bei der Einfahrt auf die Finca Bayano gerne, dass unser Gelände vor sieben Jahren ähnlich ausgesehen hat wie das Land unseres Nachbarn heute noch aussieht. Wenn ich die Gäste bei der Ausfahrt bitte, zum Vergleich nochmals nach rechts zu schauen, ernte ich manchmal ungläubige Blicke. Aber das ist die Wahrheit: so so die Finca Bayano vor sieben Jahren auch aus. Zum Glück gibt’s noch diese beiden alten Videos aus dem Jahr 2010: Video 1 und Video 2.

 

Ich hoffe, mit diesem Newsletter einen interessanten Überblick über die Finca Bayano zu geben und dass sich die Meinung verschiedener Beobachter, es “passiere hier nichts”, weil auf Google Earth keine Entwicklung zu sehen sei, ändert. Mit ein bisschen Glück hängt bei der nächsten veröffentlichten Google-Aufnahme keine Wolke über unserem Land und es ist ein wenig mehr von unserem Land zu sehen. Aber auch dann wird es auf den Videos und Newslettern mehr von der Finca Bayano zu sehen geben als bei Google.

In einem der nächsten Videos geht es endlich um den Bau des ersten Hauses – im März 2018 werden wir damit beginnen. Unendlich viele Male wurde ich gefragt, wie viele Häuser schon stehen und wie viele Leute schon hier wohnen. Genauso oft musste ich antworten, dass noch kein Haus steht und noch niemand hier wohnt. Leider wollen sich die meisten in ein gemachtes Bett legen und nicht dazu beitragen, es zu machen. Das ändert sich nun und wird der Finca Bayano zu einem entscheidenden Sprung nach vorne verhelfen. 

Gruß aus Panama

Stefan und Marlon