Bildung

  • während die Analphabetenrate in Europa steigt, fällt sie in Panama
  • panamaische Schulen sind sehr sauber, Metalldetektoren sind nicht notwendig
  • wie gut wird das europäische Bildungswesen nach einem Crash noch funktionieren?
  • wenn wir eines Tages gut organisiert sind, sollten wir die Gründung unserer eigenen Schule auf der Finca Bayano in Betracht ziehen
  • mit der klassischen Bildung wird es schwer, einen Crash zu überleben!

 

Schuluniformen sind Pflicht

Oft werde ich gefragt, wie es sich mit dem Bildungswesen in Panama verhält. Darauf pflege ich zu antworten, dass europäische Schulen und Universitäten, aber auch die Ausbildung von Lehrlingen den Ansprüchen der modernen Zeit besser gerecht werden. Es muss meines Erachtens aber viel mehr gefragt werden, wie es sich mit der Qualität der Ausbildung in der Zukunft – insbesondere nach dem Zusammenbruch des Systems – verhalten könnte. Ich vermute, dass der Standard dann schlechter sein wird als in Deutschland nach dem Krieg, als viele Schulen in Schutt und Asche lagen und eine hohe Anzahl Lehrer gefallen waren oder sich in Gefangenschaft befanden. Möglicherweise wird es gar keinen Unterricht mehr geben.

Schule in Santiago

Schule in Santiago, Escuela Juan Demóstenes Arosemena

Betrachtet man sich den Verfall des Bildungssystems in Europa, lässt sich Böses erahnen. Was ist aber zu erwarten, wenn es vielerorts Klassen gibt, in welchen die Mehrheit der Schüler nicht nur aus anderen Ländern, sondern aus völlig fremden Kulturen kommt? Diese Tatsache hat bereits zu einem Abfall der Leistungen geführt und wird zukünftig weiterhin dazu beitragen, die Qualität der Schulen zu schmälern. Dass dies passieren kann, beruht auf der schleichenden Entwicklung – jedes Jahr ein wenig schlechter, fällt nicht allzu sehr auf. Hätte sich der Verfall des Bildungssystems der letzten Jahrzehnte von heute auf morgen eingestellt, wären alle Betroffenen auf die Barrikaden gegangen.

Während die Analphabetenrate in Europa steigt, fällt sie in Panama. Selbst in kleinen Dörfern gibt es Schulen – auch in Garnadera. Gegenüber der Finca Bayano gibt es eine Grundschule für Kinder der Klassen eins bis sechs, die sogenannte Primärstufe. Schüler der Klassen sieben bis zwölf – Sekundärstufe – werden in regelmäßig verkehrenden Bussen nach Las Palmas in die Schule gebracht. Schulgebühren gibt es nicht. Die nächste Privatschule befindet sich in Soná, etwa 40 Kilometer entfernt. Universitäten gibt es in Panama City, David und Santiago. Es besteht eine Schulpflicht von neun Jahren, sechs Jahre der Primärstufe und die ersten drei Jahre der Sekundärstufe. Schuluniformen zu tragen, ist an allen Schulen Pflicht. Wenn wir eines Tages gut organisiert sind, sollten wir die Gründung unserer eigenen Schule in Betracht ziehen.

bei solchen Bildern schauen wir gerne zur Seite

Befassen wir uns mit dem Zusammenbruch des Systems, stellt sich aber eigentlich eine ganz andere Frage: Was ist Bildung überhaupt? Geht sie in westlichen Ländern doch nicht selten mit Einbildung einher. Nämlich mit der Meinung, dass die Industriegesellschaft ein Vorbild für alle anderen sei. Falscher könnte eine Meinung jedoch kaum sein: Die Industriegesellschaft, in welcher Du lebst, hat sich selbst versklavt und ist auf dem besten Weg, diese Welt unbewohnbar zu machen. Dazu braucht sie unbegrenztes Wachstum, denn ohne dieses gibt es keine neuen Kredite und ohne Kredite kommt es zum Crash. Ferner braucht sie die unbegrenzte Ausbeutung aller Rohstoffe, die zu einer unbegrenzten Verschmutzung führt. Und offenbar brauchte sie dazu unbegrenzte Bildung, aber heute, da wir fast alles wissen, steht der Zusammenbruch vor der Tür. Betrachten wir uns die Entwicklung der Menschheitsgeschichte, wird klar, dass die Industriegesellschaft noch sehr jung ist – es kommen gerade mal 200 Jahre zusammen. Kommt der Crash wie erwartet, wird sie nicht viel älter. Daher ist es korrekt, zu schlussfolgern, dass, je mehr sich Menschen im Laufe ihrer Entwicklung bildeten, sie umso zerstörerischer auf diesem Planeten unterwegs waren. Zudem gibt es eine Unmenge Mitstreiter, die sich selbst als gebildet einstufen, aber nicht die geringste Ahnung davon haben, wie das System funktioniert. Daher können sie sich auch nicht vorstellen, was auf sie zukommt und sie bereiten sich auch nicht auf den Crash vor. Vielleicht ist es auch besser so, denn schließlich gibt es nicht genügend “Plan B” für alle.

Damit möchte ich nicht sagen, dass Menschen sich nicht bilden sollten. Wer aber zu dem Schluss kommt, dass sich die hochentwickelte Gesellschaft am Ende einer Sackgasse befindet, sollte daraus Schlüsse ziehen. Rechtzeitig! Für alle, die glauben, dass es so weitergeht, wie während der letzten Jahrzehnte, gibt es natürlich keinen Anlass, etwas an ihrem Leben zu verändern. Kommst Du aber auf diese Webseite, um dir einen Überblick zu verschaffen, was auf der Finca Bayano angeboten wird, hast Du höchstwahrscheinlich Zweifel an der Zukunft des Systems, in welchem Du lebst und Du bist auf der Suche nach einer Lösung. Also stellst Du dir möglicherweise die Frage, was hinsichtlich deiner Zukunft und der deiner Familie zu tun ist. Insbesondere im Zusammenhang mit der Bildung.

Sehr oft höre ich aus meinen Unterhaltungen mit Leuten, die an der Finca Bayano Interesse zeigen, heraus, dass sie hoffen, in Panama so weiterleben zu können, wie in vergangenen Jahrzehnten. Das wird wahrscheinlich nicht möglich sein. Auch wenn ich davon ausgehe, dass wir nach einem Crash auf der Finca Bayano wesentlich besser aufgehoben sind, so befürchte ich doch, dass sich dieses Ereignis wegen der Globalisierung weltweit auswirkt. Hast Du eine theoretische Ausbildung und beschäftigst dich in erster Linie am Rechner mit der Planung von Gebäuden oder mit dem Aufbau von Internetseiten, bist Du Lehrer oder vermarktest Du Dinge, die eigentlich niemand braucht, solltest Du dir daher Gedanken machen. Zumindest, wenn Du auf der praktischen Seite kein Ass im Ärmel hast, denn theoretische Berufe werden – nach dem Zusammenbruch des Systems – nicht mehr gebraucht. Zumindest der allergrößte Teil dieser Arbeitsstellen wird entfallen. Dass theoretische Berufe heute bevorzugt werden, hat in erster Linie mit der Bezahlung zu tun. Wer will schon mit einer Schaufel im Regen arbeiten, wenn die Arbeit vor dem Monitor ein wesentlich besseres Gehalt beschert? 

wächst die Pflanze unter optimalen Bedingungen, kann eine Yuca bis zu 15 Kilogramm Knollen produzieren

Spätestens am Tag X, wenn offensichtlich wird, dass wir uns weder reich drucken, noch Kinder beleihen können, die wir weder zeugen noch erziehen wollen, werden praktische Berufe wieder an Bedeutung gewinnen. Vor 80 Jahren waren 60% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig – heute sind es gerade mal fünf Prozent, die es dank einer Menge Chemie und vielen Maschinen schaffen, sieben Milliarden Menschen zu ernähren. Fällt die Chemie aus und gibt es keine Maschinen mehr, wird wahrscheinlich die gesamte Bevölkerung, die den Zusammenbruch überlebt, in der Landwirtschaft arbeiten müssen. Zumindest vorübergehend. Wer das heute schon tut, wie wir auf der Finca Bayano, hat in der Zukunft Vorteile. Daher finde ich, dass wir uns bezüglich unserer Bildung und der unserer Kinder insbesondere auf die Landwirtschaft und das Überleben nach dem Crash einstellen sollten.

Landwirt auf Kuba, 2010

Eine Agrargesellschaft ist das absolute Gegenteil der Industriegesellschaft: Sie bestellt Land und erzeugt Nahrungsmittel unter natürlichen Bedingungen. Und weil eine Agrargesellschaft nicht unbegrenzt wachsen kann, braucht sie keine anspruchsvolle Bildung. Die Mitglieder kümmern sich um ihre Familie und leben auf einem niedrigen Standard. Es bedarf intensiver Arbeit, aber die Agrargesellschaft hat dafür eine im Grunde unendliche Lebensdauer. Sie könnte niemals sieben Milliarden Menschen ernähren, aber sie könnte diesen Planeten auch niemals zerstören. Die Industriegesellschaft könnte womöglich zehn Milliarden Menschen oder mehr ernähren. Die Frage ist aber, wie lange sie es könnte und was danach von dem Planeten übrig bliebe. Aus diesem Zusammenhang resultiert die Erkenntnis, dass eine Industriegesellschaft nicht nachhaltig ist.

Auf der Finca Bayano sollte es uns gelingen, das Beste aus beiden Welten zu kombinieren: Lebensmittel umweltschonend organisch zu produzieren und für die Kinder unserer Kinder übrig zu lassen, was wir von den Eltern unserer Eltern übernommen haben.

Offensichtlich ist mit der Bildung der letzten 200 Jahre etwas schief gelaufen!